Geschichte der Schweizer Schwimmbäder |
Die ersten «Freibäder»
1822 wird die «Akademische Badeanstalt» unterhalb des Bundeshauses mit einem von der Aare gespeisten Badebecken eröffnet. Es existieren noch andere Namen wie «Schwimmschule», «Badweiher», «Kaltbadanstalt» und «Fröschenweiher». Seit es Menschen gibt, zieht es sie ans Wasser. Lange begnügen sie sich, im Freien die Kleider abzustreifen und ins Wasser zu steigen. Mal ist es aber verpönt oder gar verboten, nackt zu baden, und bald sollen gar Männlein und Weiblein nur noch getrennt ins kühle Nass tauchen dürfen. Die Zeit der Kastenbäder beginnt...1831 wird das «Pfalzbadhysli» zu Füssen des Basler Münsters eröffnet. Bereits in der ersten Saison üben sich 75 Schüler im Schwimmen. Für die Basler Frauen baut die GGG - die «Gesellschaft zur Förderung des Guten und Gemeinnützigen» - 1847 nebenan eine Frauen-Badeanstalt. 1837 wird beim Bauschänzli an der Limmat in Zürich ein ... und die der ersten Hallenschwimmbäder...1842: Liverpool, 1845: London und 1854: Hamburg: Die ersten öffentlichen (baulich geschlossenen) Badeanstalten Europas werden eröffnet. 1864 zieht mit Winterthur die erste Schweizer Stadt mit der vom Stadtbaumeister Bareiss erstellten "Bad- und Waschanstalt" im maurischen Stil. Das 8x12m grosse Schwimmbad wird jährlich von rund 10 000 Personen besucht. 1872 kostet ein Eintritt 15 bis 30 Rappen, je nach Alter, Geschlecht und Badezeit.(84) 1864 lehnt sich das Kastenbad des 1870 erstellt der Stadtbaumeister Joh. Gottfried Meyer das Rheinbad Schaffhausen 1872 entsteht an der Hafenmole von Genf ein Bau aus Holz auf Stelzen: «Les Bains Pâquis». Um 1873 werden in Rorschach am Bodensee von einer Aktiengesellschaft eine Mädchen- und eine Knabenbadeanstalt gegründet (abgebrochen 1923/24).
Bereits 1882 sind auch im Hafen von Weesen (Walensee) Badehäuschen aufgestellt. 1921 wird die Strandbad-Genossenschaft Weesen gegründet.(zi) 1884-85 wird die Seebadeanstalt Luzern gebaut: Ein Kastenbad, ein Pfahlbau im Cottagestil mit nach Geschlechtern getrennten Bassins, deren Tiefe sich mit verstellbaren Holzrosten regulieren lässt. Während die Männer in den See hinaus schwimmen können, müssen die Frauen innerhalb der «Anstalt» verweilen. 1885 wird durch Niklaus Morgenthaler in Ursenbach ein Badeverein geründet, dieser baute noch im selben Jahr einen "Badeweiher" in den Massen 12x6 Meter und nahm diesen in Betrieb. Der Badeweiher wird 1903 an die Gemeinde verschenkt. 1947/48 wird die Badi ausgebaut und mit dem noch heutigen Becken 25x12 Meter versehen. 1886 erbaut, erinnert das Rheinbad St. Johann an ein Schiff. Die Badeanstalt ist noch mit Holzwänden umschlossen, im Innern befindet sich das Schwimmer- und das mit einem Hubboden versehene Nichtschwimmerbecken. 1888 entsteht das 1890 kommt das 1892 wird das kleine Lorrainebad an der Aare in Bern erstellt. 1896 wird im Limmatkanal vor dem Kraftwerk Letten eine geschlossene Flussbadeanlage errichtet. Der auf Stützen stehende Holzbau wird über den Damm erreicht, und ist in eine Frauen- und Männerseite zweigeteilt. 1896/97 wird das Flussbad Schwäbis in Thun in Schweizer Holzstil erbaut. Es gilt als zeittypisches Beispiel für die Berner Oberländer Badehaus- und Tourismusarchitektur. 1896 erbaut Stadtbaumeisters Albert Pfeiffer Frauenbad Kreuzweiher / Dreilinden in St. Gallen: Für das männliche Geschlecht standen schon einfache Badehäuschen am Knabenweiher zur Verfügung, nun können auch die Frauen schwimmen gehen. 1898 wird das Rheinbad Breite in Basel erstellt. In der hochbeinigen Metallkonstruktion wird bis 1929 nach Geschlechtern getrennt gebadet. Der Badebetrieb findet innerhalb der Anlage in eingelassenen Becken mit Hubböden statt. Später kommt ein mit Schwimmbalken markiertes Badeareal ausserhalb des Gebäudes dazu, in dem die Schulen ihren Schwimmunterricht durchführen. 1903 öffnet das Sonnenbad St. Margarethen in Binningen. 1906 ist das Geburtsjahr vom 1910 Das 1911 wird das Freibad Geiselweid in Winterthur (Planung: Robert Rittmeyer und Walter Furrer) fertiggestellt. Die Fortschritte im Bauen mit Eisenbeton haben es leichter gemacht, fernab von natürlichen Gewässern in künstlich gebauten Becken zu schwimmen. Die Sonnendecks sind geschlechtergetrennt. Das Becken bleibt lange das grösste der Schweiz. 1922 Eröffnung des ersten Lachenbades in Thun. Es gibt einen "Badeplan", nach dem Männer und Frauen nur abwechslungsweises Baden dürfen. Der Wechsel wurde jeweils mit einer Glocke angezeigt. 1922 ist der Jahrgang des kleinen Seebades Zollikon. Noch zeigt das Holzbad am Zürichsee den typischen symmetrischen Aufbau, der sich durch die Geschlechtertrennung ergibt. 1922 wird das nach Plänen von Walther Sulser erbaute 1923-24 entsteht die 1923 gesellt sich das Seebad Wädenswil zu den Badeanstalten am Zürichsee. Die Trennung in zwei Hälften ist strikt, es existieren gar zwei Innenhöfe, in denen Schwimmunterricht geschlechtergetrennt durchgeführt werden kann. 1924: 1925 verkehrt das Zürcher Volk im neuen Strandbad Mythenquai. Eine wuchtige Bretterwand trennt die Geschlechter, sie wird aber nach Protesten abgerissen, und die bald erweiterte Anlage wird ein stark frequentiertes Familienbad. Das grosse Seebad bietet vielen Berufen einen Arbeitsplatz, wie die folgenden Inserate aus der Zeitschrift «Für die Körperkultur, Werbeschrift für Körperkultur, Strandbad-Verein Zürich, I. Jahrgang, Sommer 1925»(60) zeigen:
1927 wird das Strandbad des Verkehrsvereins Flüelen eröffnet: "...ein ordentliches Bad, wie man es in einem gesitteten Land zu treffen wünscht." 1928 wird das Lido di Lugano 1929: Das Schwimmbad Burgdorf ist ebenso im klassizistischen Stil errichtet wie das Piscine de Motta in Fribourg. Beda Hefti ist auch hier verantwortlich für die Planung. 1929 ensteht auch das Lido Luzern. Ein Jahr nach Eröffnung findet in dem Strandbad die erste Schweizer Bademoden-Schau statt. 1929: Otto Zollingers Konzept von Vevey-Corseaux-Plage ist ein frühes Beispiel der modernen Freizeitarchitektur (66). Die Möglichkeiten des Bauens mit Eisenbetons wird ausgereizt mit kühnen Dach- und Terrassenformen. 1930: Mit dem Schwimmbad Vulpera Die 1930er - der Boom der grossen Volksbäder1931 wird das grosse Gartenbad Eglisee eröffnet. Wie z.B. das Bödelibad im Berner Oberland entstand es im Stile des Neuen Bauens. Verantwortlich für die Planung sind J. Maurizio und Beda Hefti. 1931 entsteht auch die 1931 Das Strandbad Diepoldsau erregt im In- und Ausland Aufsehen. Frauen und Männer gehen im Alten Rheinlauf miteinander baden - ohne trennende Abschrankungen! 1932 öffnet das Strandbad Biel seine Pforten. Die Architektur des «Neuen Bauens» zeigt sich z.B. in den kubischen Formen (Flachdächer) und der konsequenten Verwendung der neuen Materialien Glas, Stahl, Beton und Backstein. Die Bewegung hatte aber auch soziale Ziele: Dekorationen und aufwendige Baustile werden vermieden, um die Anlage kostengünstig zu erstellen. Das Strandbad Biel wird - mit tiefen Eintrittspreisen - zu einem typischen Volksbad. 1932 Strenge Funktionalität zeigt auch das neue Genfer Seebad von Henry Roche: «Bains des Pâquis». Die Anlage wird geschickt an die Hafenmauer des Genfer Beckens angepasst, die Bauten sind zurückhaltend gestaltet und lassen den Blick frei auf die Weite des Genfersees(66). Gebadet wird nach Geschlechtern getrennt. 1933 Im Strandbad Thun nutzen Jacques Wipf und Edgar Schweizer für die sehenswerte Architektur den modernen armierten Beton. Mit 50'000 m2 ist es vermutlich das zweitgrösste Freibad der Schweiz (nach Bachgraben BS). Mit der Lage an der Alpenkette ist es für manche Besucher das schönstgelegene Bad Europas... 1933 wird mit dem Freibad Heiden das modernste Schwimmbad der Schweiz eröffnet. Die zweckorientierten Formen repräsentieren die Architektur des «Neuen Bauens». Die «Häädler Badi» ist bekannt wegen ihrer einmaligen Architektur und steht heute unter Denkmalschutz. Konzept: Beda Hefti. 1932-34 wird das Ka-We-De - Kunsteisbahn und Wellenbad Dählhölzli in Bern gebaut. Der Baustil folgt dem damaligen Sinne einer modernen Sport- und Freizeitanlage. Konzipiert wurde sie für «die anspruchsvolle Körperkultur der oberen Bevölkerungsschichten»(66). Das Wellenbad ist ein Renner. 1928-1933 wird mit Hilfe von Vereinen und Freiwilliegen das Strandbad Buchhorn am Bodensee erbaut. Der Architekt Edwin Bosshardt plante eine moderne Anlage mit Gestaltungsformen, die stark vom «Bauhaus» beeinflusst wurden (schlichte, klare Formgebung und transparente, leichte Bauweise). 1932-34 wird das Terrassenbad Baden erbaut, und zwar - wie andere zeitgleich errichtete Bäder auch - im Zuge von Arbeitsbeschaffungsmassnahmen für die Arbeitslosen in der Wirtschaftskrise. Die Pläne stammen von Alfred Gantner. 1934 kann mit dem Hallenbad Rialto das erste Hallenbad der Stadt Basel seine Tore öffnen. Vor dem 2. Weltkrieg wird vermutlich auch die 1935 kann das grosszügig angelegte Freibad Ledi in Walzenhausen eingeweiht werden. 1936: Vermögende nehmen nach und nach die Hänge am Hallwilersee in Besitz. Das Arbeiterstrandbad Tennwil wird gegründet mit dem Ziel, der Arbeiterschaft den Zugang zum See zu sichern. 1936: Mit dem Bellerive-Plage in Lausanne entsteht eine der eindrücklichsten Badeanlagen. Der Architekt Marc Piccard verwendet viel Glas, und die Elemente aus Beton überzeugen mit leichten, geschwungenen Formen. 1937 geht das Strandbad Olten in Betrieb. Hermann Frey und Ernst Schindler planten die Anlage zwischen Altstadt und Aareufer. 1939 wird das 1940: Nach Plänen von Robert Walcher entsteht das 1941 baut der Stadtbaumeister Hermann Herter das Hallenbad City in Zürich nach dem Vorbild des Schwimmbads Gartenstrasse in Berlin-Mitte. Wie dieses besitzt das Hallenbad City eine Hallendecke aus Glas, die das Schwimmbad mit Tageslicht erfüllt. 1948 wird das Schwimmbad im Moos das erste Freibad im Limmattal. 1952 wird die Betonkonstruktion des Flussbades Oberer Letten in Zürich auf dem Limmatdeich erstellt (Architektin: Elsa Burckhardt-Blum). Der Stil verkörpert (anschaulich) die Richtung des hygienischen Modernismus. Der Bau ist funktionell und verzichtet auf Schnörkel und Spielereien. 1954 wird das Strandbad Tiefenbrunnen von den Architekten Josef Schütz, Otto Dürr und Hans Nussbaumer angelegt. Es ist Teil der für die Landesausstellung 1939 fertig gestellten Uferaufschüttung am Zürichsee, und zeigt die Pavillon-Architektur der 50er Jahre. 1949 wird das 1955. Das Gartenbad St. Jakob in Basel zeigt Grösse: 45'150m2 und immense Wasserflächen. Ein Familien- und Sportbad. 1960 entsteht am Zürichsee mit dem Seebad Enge ein neues Kastenbad; eine schwimmende Anlage, unterteilt in Frauen- und Männerabteil. Konzept: Robert Landolt. |
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